Thursday, July 1, 2010

Fußballpause – Zeit zum Durchatmen


Der Ball ruht also jetzt für ein paar Tage am Kap der Guten Hoffnung. Die Achtelfinale sind gespielt, und die ersten zwei Tage ohne Fußball seit 3 Wochen sind zu verkraften. Für die einen ein Segen: Margaret, Dozentin für Umweltrecht an der Universität von Südafrika in Pretoria freut sich, dass der Alltag jetzt wenigstens für zwei Tage regelmäßiger wird, „in diesem fußballverrückten Land“, wie sie sagt. Für ihren Kollegen Servious ist eine Zeit des spannungsgeladenen Fingernägelkauens angebrochen. Er kann es kaum erwarten, dass die Viertelfinale angepfiffen werden: „Eish! Ich hoffe, Ghana kommt ins Halbfinale!“ Wie er stehen die meisten Südafrikaner ziemlich geschlossen hinter Ghana, der letzten im Turnier verbliebenen afrikanischen Mannschaft, die im Viertelfinale gegen Uruguay antreten muss. Die Südamerikaner haben die Gastgeber noch aus der Vorrunde in eher schlechter Erinnerung, war doch die 0:3 Niederlage der Anfang vom Ende des südafrikanischen Traums vom Achtelfinale bei der Heimat- WM. Aber auch die letzten verbliebenen Europäer, die Selecion aus Spanien, die Elftal aus den Niederlanden, sowie die deutsche Nationalmannschaft haben hier durchaus Sympathien gesammelt. Besonders der deutschen Mannschaft wünscht man hier viel Glück. “Die spielen so bunt, fast afrikanisch!” sagt zum Beispiel Kusela aus Soweto. Brett aus Melville ergänzt: „Die sind alle noch so jung und sind schon so abgebrüht, besonders dieser Müller – Wahnsinn! Aber gegen Argentinien wird es sehr schwer.“

Zwei Tage ohne Fußball. Zeit, sich anderen, ebenfalls wichtigen Dingen zuzuwenden, für die bei mindestens zwei Spielen am Tag einfach keine Zeit bleibt, wie zum Beispiel mal wieder zum Friseur zu gehen, der an den beiden Ruhetagen auch wieder länger als 15:30 geöffnet hat. Fred, der an dieser Stelle vor ein paar Wochen bereits erwähnt wurde, ist in jeder Hinsicht von der WM begeistert. Man sollte sich als Kunde allerdings gut überlegen, ihn auf dieses Ereignis anzusprechen, denn er hat so viel zu erzählen, dass die Haare am Ende doch bedenklich kurz geschnitten sind. Er hat in den vergangenen Wochen das Geschäft seines Lebens gemacht. „Es mag nicht für alle gelten, aber ich bin ein Südafrikaner, der die WM gewonnen hat!“ strahlt er. Über 100 Kunden aus fast allen Teilnehmernationen hat er seit Turnierbeginn die Haare geschnitten. Er erzählt von einem japanischen Fan, der leider kein Englisch sprach, aber immer freundlich gelächelt hat, und mit einem Bild von Japans blondem Star Keisuke Honda als Vorlage kam. Oder der ältere Herr aus Paraguay, der immer morgens vor den Spielen Paraguays zum Haareschneiden kam. „Der hat kein einziges Spiel live gesehen, aber er wollte da sein, wo das Turnier stattfindet.“ berichtet Fred, und schüttelt erstaunt den Kopf. Ausnahmslos alle Leute haben sich stets positiv über Land und Leute geäußert. „Selbst die Australier!“ sagt Fred, und er spielt damit auf die in der südlichen Hemisphäre herrschende Rugby- Rivalität zwischen Südafrika und Australien an.

Mit dem Erscheinen dieser Ausgabe sind die nächsten Ruhetage, die vor den Halbfinalspielen liegen, angebrochen. Südafrika hofft kollektiv, dass dieses wunderbare Turnier noch vier Fußballfeste, neben den Halbfinals noch das kleine und das große Finale, erleben darf. Es mag etwas früh für ein Fazit sein, aber man kann sagen, dass das Turnier das frühe Ausscheiden der Gastgeber ohne größeren Schaden überstanden hat. Für die letzten Spiele sind restlos alle Karten ausverkauft und auch für die Fanmeilen werden hohe Besucherzahlen vorhergesagt. Nach den Stimmen der Touristen, sowie der Südafrikaner selbst zu urteilen, war dieses Turnier bereits jetzt ein Riesenerfolg und eine gelungene Imagekampagne für die Regenbogennation. Man hofft hier, das viele Fußballtouristen in den nächsten Jahren auch nochmals als „normale“ Touristen wiederkommen.

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