Der Fussball- Weltpokal ist schon hier während die teilnehmenden Mannschaften noch ihre Trainingslager in allen Ecken dieser Welt abhalten. Der Pokal reist durch Südafrika und wird dabei von tausenden Fussballfans besucht. Der Gärtner Tsepho aus Pietermaritzburg hat gestern in einer Radiosendung bei SAFM – natürlich einer der offiziellen WM-Sender – gesagt, er hätte beinahe vor Freude geweint, als er den Pokal küssen durfte, den vor ihm unter anderem die WM Siegerkapitäne Maradona, Matthäus, Zidan, und Cannavaro in den Händen hielten. Er hoffe, dass am 11. Juli diesen Jahres der Pokal an Aaron Mokoena, den Kapitän der südafrikanischen Nationalmannschaft Bafana Bafana , übergeben würde. Tsepho ist nur ein Fussballfan von vielen, dessen Aussage jedoch exemplarisch ist für die Leidenschaft der Südafrikaner für Fussball und speziell für die anstehende WM. Seitdem der ehemalige Kapitän der englischen Nationalmannschaft, Bobby Robson, mittlerweile Trainer von Thailand, nach der 0:4 Niederlage seiner Mannschaft gegen Südafrika mitteilte, mit dem Lärm von tausenden von Vuvuzelas auf den Rängen und der „unbeschreiblichen“ Begeisterung der ganzen Nation könne Südafrika während des Turniers durchaus für eine Überraschung sorgen, dreht sich auch die Skepsis im Lande hinsichtlich der Erfolgsaussichten der eigenen Mannschaft so langsam in Zuversicht, Euphorie und Begeisterung um. Die immer wieder durch den größten Mobilfunknetzbetreiber des Landes in zahlreichen Werbeclips in Radio und Fernsehen gemachten Aufrufe „Unite! Mzansi, unite!“ (etwa:“Vereinige Dich Südafrika, vereinige Dich!“) sind im Zuge dessen eigentlich inzwischen gar nicht mehr notwendig.
Als deutliches Zeichen dieser immer weiter steigenden Euphorie sind mehr und mehr Fan- Utensilien und Devotionalien im Straßenbild zu erkennen. Die in Deutschland wohl bekannten Autoflaggen finden bei den Straßenhändlern genauso reissenden Absatz wie Überzüge für Autoaussenspiegel mit der Nationalflagge. Zwar ist selbst die südafrikanische Flagge derzeit mit einer Copyrightsperre der FIFA belegt; allerdings schert das die fliegenden Händler, die an belebten Kreuzungen auf Kunden warten, um ihre Waren durch das Autofenster an den Mann zu bringen, eher nicht. Natürlich erleben auch die für den südafrikanischen Fussball so typischen Tröten, die Vuvuzelas, und die farbenfrohen Schutzhelme, die Makarapas, einen Boom; gilt es doch, diese nun auch in den Farben der anderen Teilnehmernationen an den Mann zu bringen.
Vuvuzelas sind die durch den Confederations Cup im Jahre 2009 und die um sie drehenden Diskussionen bekannt gewordenen Plastiktröten, die vielen Confed-Cup Teilnehmern ein Dorn im Auge, oder vielmehr im Ohr waren. Besonders die Spanier beschwerten sich vehement, dass der ohrenbetäubende Lärm die Kommunikation auf dem Platz unmöglich mache. Das Magazin 11 Freunde berichtet in seiner Mai-Ausgabe, der Hörgeräte-Hersteller Phonak habe mithilfe eines Schalldruckpegel- Messgerätes festgestellt, dass Vuvuzelas mit 123,9 Dezibel den Lärmpegel eines Düsenjets im Probelauf erreichen. Für die Zuschauer heisst das, Ohrenstöpsel mitzubringen um Gehörschäden vorzubeugen. Die Herkunft dieser Lärmmacher ist in Südafrika umstritten. Immer mal wieder meldet sich der ein oder andere und bezeichnet sich als Erfinder dieser Tröten. Traditionelle afrikanische Mythen sehen den Ursprung der Vuvuzela allerdings in dem Blasen des Horns einer Kudu- Antilope, um eine Ankunft, eine Feier oder ein Treffen anzukündigen. Wieder andere bringen das Blasen des Kudu- Horns mit dem Beginn einer Schlacht in früheren Zeiten in Verbindung, sehen das Instrument mithin als ein Zeichen von Wettkampf und Rivalität. Davon ausgehend ist der Weg zum heutigen Fussball natürlich nicht mehr weit. Wie auch immer, die WM 2010 markiert unbestritten einen Meilenstein in der Geschichte der Vuvuzela, die bereits zu tausenden erklangen, als die FIFA 2004 die Weltmeisterschaft nach Südafrika vergab.
Makarapas sind mit allerlei fussballspezifischer Zierart versehene Schutzhelme, wie sie auf Baustellen und in Mienenschächten getragen werden. Vor allem bei Spielen der südafrikanischen Nationalmannschaft werden diese Kunstwerke während der WM zuhauf zu sehen sein. Es gibt sie inzwischen in allen Nationalfarben und für alle teilnehmenden Mannschaften. Die Geschichte der Makarapas ist weniger sagenumwoben als die der Vuvuzelas. Wörtlich übersetzt bedeutet das Wort Wanderarbeiter und genau von solchen wurden diese Schutzhelme in den Goldmienen in Südafrika in den 70iger und 80ziger Jahren getragen. Da es damals bei den Fussballspielen, besonders in den Derbys in Soweto zwischen den Kaize Chiefs und den Orlando Pirates immer hoch herging, sowie zahlreiche Flaschen durch die Gegend flogen, zogen diese Arbeiter ihre Helme zum Schutz auch beim Stadionbesuch an. Irgendwann wurden diese dann auch bemalt und verziert. Inzwischen wurden die Makarapas auch von den Fans anderer Sportarten und sogar von Firmen zu Werbezwecken adoptiert. Eine Entwicklung, die durch das anstehende Großereignis sicher nochmals verstärkt werden dürfte.
Es ist zwar nicht damit zu rechnen, dass Vuvuzelas und Makarapas in Deutschland nach der WM einen Siegeszug antreten werden – zu unterschiedlich sind die Fussballkulturen. Jedoch wären die Vuvuzelas durchaus geeignet, den stimmungsärmeren Klubs der Liga wie Hoffenheim, Leverkusen oder Wolfsburg etwas mehr – Spötter mögen einwerfen, überhaupt - Atmosphäre ins Stadion zu bringen. Für den Borussen, der ganz bestimmt keine Stimmungshilfsmittel braucht, könnten wiederum die Makarapas für Auswärtsfahrten durchaus Sinn machen, da es zu diesen Anlässen ja leider regelmäßig etwas auf die Mütze gibt. Möglicherweise lässt sich ja der Auswärtsfluch der letzten Bundesligaspielzeiten mit den Makarapas vertreiben. Der Autor vermittelt jedenfalls gerne den Kontakt zur hiesigen Helmverzierindustrie und würde sich freuen, in Zukunft auch Gladbachfans mit Miniaturausgaben von Netzer, Vogts und Heynckes Jupp auf der Makarapa in schwarz-weiss-grün auf den Tribünen in Deutschlands Stadien zu sehen.
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