Die deutsche Nationalmannschaft, einheitlich mit dunklen Anzügen und weissen Hemden bekleidet, ist am Montagmorgen am Oliver Tambo International Airport von Johannesburg gelandet und wurde trotz der frühen Morgenstunde von zahlreichen begeisterten Fans – aus Südafrika und Deutschland – empfangen. Das gilt im übrigen für wirklich alle teilnehmenden Mannschaften, von den sehr bekannten und populären Brasilianern bis zu den “Underdogs” aus Nordkorea, von denen man in Südafrika, wie wohl auch in Deutschland, nur weiss, dass die meisten ein “Kim” in ihrem Namen tragen.
Bei der Auslieferung dieser Zeitung wird die deutsche Nationalmannschaft schon die ersten Nächte im feudalen Hotel Velmore Grande in Centurion, zwischen Johannesburg und Pretoria verbracht haben. Das Hotel wird während des Turnierverlaufes das ständige Quartier der Deutschen bleiben, und man wird sofort nach den Vorrundenspielen in Durban und Port Elizabeth wieder zurück fliegen. Lahm, Schweinsteiger und Co. dürften dabei froh sein, dass das Hotel noch schnell mit einer Zentralheizung ausgestattet wurde. In den Winternächten wird es im Norden von Südafrika nämlich empfindlich kalt. Dafür ist es trocken und tagsüber zumeist frühlingshaft warm, ganz anders als im oftmals verregneten Winter in Kapstadt. Für beste Trainingsbedingungen ist also gesorgt. Leider ist es nicht möglich, sich die Nationalmannschaft während des Turniers einmal beim Training anzusehen, da der DFB auf Anfrage mitgeteilt hat, ein öffentliches Training sei nicht vorgesehen. Einzig eine kleine Delegation von Journalisten und Würdenträgern, sowie eine Abordnung der deutschen Schule in Pretoria wird in den ersten Tagen einen Einblick in den Trainingsalltag bekommen.
Allerdings wird zwischen den Spielen für jede Menge Abwechslung gesorgt sein. In weiten Teilen des Landes, zum Beispiel im Johannesburger Stadtteil Melville, müssen sich Besucher derzeit so fühlen, als wären sie gerade in einem Dorf im Rheinland eine Woche vor dem Auftakt des alljährlichen Schützenfestes. Alles wird derzeit auf Hochglanz poliert und bunte Fahnen und Fähnchen werden aufgehängt. Der Unterschied ist nur, dass es eben nicht nur ein Dorf ist, sondern das ganze Land, dass sich für dieses Großereignis herausputzt! Staatspräsident Zuma hat gestern Abend im Fernsehen sichtlich bewegt und mit grossem Stolz verkündet, dass es noch nie in der Geschichte der jungen Republik eine Zeit gegeben habe, in der so viele südafrikanische Fahnen verkauft und gezeigt wurden. Zwar ist die südafrikanische Nationalflagge, die mit einem horizontalen Y den Weg von einer geteilten Vergangenheit in eine gemeinsame Zukunft symbolisieren soll, und gleichzeitig neben den Farben der alten Republik Süadafrika und des britischen Union Jack auch die Farben der Regierungspartei, des African National Congress (ANC) beinhaltet, die mit Abstand am meisten verbreitete. Allerdings weiss Bonghile, der seit Wochen auf der 7th Street in Melville Flaggen und Autospiegelüberhänge mit den Farben der verschiedenen Gastnationen verkauft, zu berichten, dass auch und besonders Artikel in deutschen Farben reissenden Absatz finden. Zwar hat er noch kleinere Exemplare in Schwarz-rot-gold. Die grossen sind allerdings vollständig ausverkauft. Spanien und Italien sind genauso noch im Angebot wie Brasilien und Argentinien.
Im Vergleich zu “unserer” WM 2006 fällt auf, das shier in den Strassen das Bild etwas bunter ist. Während in Deutschland Schwarz-rot-gold, durchsetzt mit italienischen und spanischen Punkten, dominierte, sind hier auch slowenische, uruguayische und neuseeländische Farben durchaus keine Seltenheit. Nach dem Finale wird Sepp Blatter im Namen der FIFA erneut – wie alle vier Jahre wieder – sagen: ”Dies war die beste WM aller Zeiten!” In einem Punkt dürfte er dann allerdings Recht haben: Die Herzlichkeit, mit der die Südafrikaner ihre Gäste aus den 31 Teilnehmerländern empfangen haben, dürfte in der Geschichte des Turniers tatsächlich unerreicht sein.
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