Monday, June 14, 2010

Deutschland ist fantastisch, Deutschland ist „Ayoba!“


„Ayoba!“ bedeutet so viel wie fantastisch oder wunderbar. Es ist der Ausruf, der von einem südafrikanischen Mobilfunkbetreiber in zahlreichen Werbeclips genutzt wird, und der sich auch auf den Straßen und in den Stadien durchgesetzt hat, um diese bislang so fantastische und wunderbare, erste afrikanische WM zu beschreiben. Mit dem offiziellen Eröffnungskonzert in Soweto am Donnerstag hatte die WM mit der Rede von Erzbischof Tutu einen ersten emotionalen Höhepunkt. Der kleine Mann, mit der großen Geschichte als Widerstandskämpfer gegen das Apartheidsregime, rührte viele Menschen im Orlando Stadion und an den Bildschirmen zu Tränen, als er der Welt und Nelson Mandela dafür dankte, aus „dem hässlichen Wurm, der hässlichen Raupe, die Südafrika einst war, einen so wunderschönen, bunten Schmetterling“ gemacht zu haben. Danach begann er voller Vorfreude auf das Turnier, gekleidet in ein Trikot der südafrikanischen Nationalmannschaft und eine gelb-grüne Pudelmütze, auf der Bühne zu tanzen. Von Tränen der Freude berichteten auch viele Südafrikaner, als der südafrikanische Nationalspieler Siphiwe Tshabalalala im Eröffnungsspiel mit seinem tollen Führungstreffer den ersten sportlichen Höhepunkt setzte.
Und Deutschland, ganz klar: Deutschland ist ebenfalls „ayoba“! Die Südafrikaner sind nach dem 4:0 Sieg gegen Australien besonders über die Art und Weise wie dieser Sieg herausgespielt wurde sehr, sehr überrascht. Man hatte es den Deutschen nicht zugetraut, eine Mannschaft nicht nur mit Wucht, Kraft und Fitness, sondern auch mit spielerischer Raffinesse so auseinanderzunehmen. „Ich muss jetzt meine Favoriten auf den Titel um eine Mannschaft erweitern. Unglaublich, dieser Özil und dieser Müller! Die sind mir vorher nie aufgefallen. Wo kommen die her?“ Der Massagetherapeut und Schwimmlehrer Brett ist unüberhörbar begeistert und freut sich sehr, dass er Karten für das Spiel Deutschland gegen Ghana hat. „Wahnsinn, wie schnell die spielen! Ich dachte, Deutschland würde immer nur verteidigen“ ist die Rechtsdozentin Elmien überrascht. Zwar hatte sie zuerst ein bisschen Mitleid mit den Australiern; nach dem Spiel war dies jedoch Bewunderung für „diese Jungen“ aus Deutschland gewichen.
Die Kommentatoren im Fernsehen und die Reporter in den Zeitungen schütten die deutsche Nationalmannschaft ebenfalls mit Lob zu – wie ja auch eigentlich überall in Europa. Von „filetierten Socceroos“ – Socceroos ist die inoffizielle Bezeichnung für die australische Nationalmannschaft – ist dort die Rede, und dass die Deutschen bislang den mit Abstand schönsten Fußball gespielt haben. Für das südafrikanische Fernsehen standen als Experten für dieses Spiel der Ghanaer Sammy Kuffour (ehemals Bayern München) und einer der Weltmeister von 1990, Thomas Berthold, zur Verfügung. Sammy Kuffour sagte, er sei doch sehr froh und danke Gott, dass Ghana zuvor Serbien geschlagen hat, dann komme es im letzten Gruppenspiel gegen diese Deutschen nicht mehr darauf an zu gewinnen. Thomas Berthold, vielleicht mit der Arroganz des Weltmeisters, gab mit sehr starkem deutschen Akzent zu verstehen, dass er zwar auch begeistert sei, jedoch der deutschen Mannschaft gegen Mannschaften wie Argentinien und Brasilien eigentlich keine großen Chancen einräume. Nach dieser Leistung hoffen nicht nur viele Deutsche, sondern auch viele Südafrikaner, dass Berthold sich irrt, damit man noch viele dieser erfrischenden Auftritte der Jungs mit dem Adler auf der Brust sieht, und dass die drei Sterne über dem Wappen Zuwachs bekommen. Denn Deutschland ist „Ayoba!“
Nicht mehr ganz so „ayoba“ finden inzwischen auch viele Südafrikaner die Plastiktröten in den Stadien. Morgens um drei in den Straßen, sowie in Einkaufszentren oder in Parks sind die „Vuvuzelas“ doch eher unerwünscht. Einige Fans beschwerten sich auch darüber, dass die Tröten die traditionellen Gesänge auf den Rängen im ewig gleichen Dauerdröhnen erstickten. Das von vielen tausend Stimmen angestimmte „Shosholoza“ würde der Nationalmannschaft mehr helfen als der kalte Lärm der Tröten. Eine Tatsache geht allerdings in der endlosen „Vuvuzela“-Debatte etwas unter: Die Tröten, die bei Spielen ohne südafrikanische Beteiligung geblasen werden, stecken zum Großteil in Mündern der Fans der beteiligten Mannschaften. Anscheinend scheinen die Stadionbesucher trotz aller Beschwerden zu einem großen Teil der „Vuvuzela“ zugetan zu sein.

No comments:

Post a Comment