Monday, July 12, 2010

Leichte Abkühlung vor dem großen Finale


Der Enthusiasmus und die Begeisterung für Fußball im allgemeinen, und für die WM 2010 im speziellen hat in den letzten Tagen hier in Südafrika doch merklich nachgelassen. Das gilt natürlich nicht für die vielen Holländer oder die wenigen Spanier, die entweder bereits im Norden von Südafrika sind, oder sich in den nächsten drei Tagen noch einfinden werden, um ihr jeweiliges Team am Sonntag im Finale von Soccer City bis zum Weltmeistertitel zu begleiten. Es ist dabei keinesfalls so, dass die Südafrikaner der Fußball jetzt auf einmal kalt lässt. Aber nach 4 Wochen Dauergekicke, nebst allem Drum und Dran was die Fußball-WM sonst noch so gebracht hat, ist ein gewisser Sättigungsgrad erreicht. Es wird einfach nicht mehr ganz so viel über Fußball geredet. Natürlich liegt das auch daran, dass zum einen die eigene Mannschaft ausgeschieden ist, zum anderen, dass mit Ghana auch der letzte Vertreter des afrikanischen Kontinents bereits nach dem Viertelfinale die Heimreise antreten musste. Mit einer gewissen afrikanischen Solidarität wurden bereits während des Turniers auch die anderen afrikanischen Mannschaften unterstützt. Nach Ghanas Niederlage gegen Uruguay, die nur durch das Handspiel des uruguayischen Mittelstürmers Suarez ermöglicht wurde, gingen viele dann zur Tagesordnung über.

Es gibt allerdings auch noch andere Gründe, die für die Südafrikaner ein Ende der WM wünschenswert erscheinen lassen. Thea, eine 55jährige Bürokauffrau aus Pretoria freut sich bereits jetzt auf den kommenden Nach-WM-Montag, weil sie dann endlich bei Behörden, aber auch bei Privatfirmen wieder normalen Service bekommt, wenn sie dort anruft: „Die letzten Wochen habe ich soviel Musik auf diversen Anrufbeantwortern gehört, wie zuvor in 25 Jahren nicht. Während der WM war kein Büro normal besetzt.“ Aber das Finale will sie in jedem Falle sehen – und sie hofft, dass Holland gewinnt: „Meine Vorfahren sind irgendwann vor ein paar hundert Jahren aus Holland eingewandert.“

Bongile, der an einer Shell- Tankstelle im Johannesburger Stadtteil Melville arbeitet, sagt, dass er die WM sehr genossen hat: „Aber 4 Wochen sind eine sehr lange Zeit. Jeden Tag Fußball. Meine Freundin hat sich mehrfach beschwert!“ Dieses Schicksal dürfte er mit anderen Fußballfans auf dem gesamten Globus teilen, egal ob männlich oder weiblich. Die Nachfrage, ob er denn froh sei, dass die Spanier gegen Deutschland gewonnen haben, und jetzt nochmals nach Johannesburg zum Finale gegen Holland anreisen verneint er vehement. Seine gelb-rote Kleidung sei rein beruflich bedingt. Das seien eigentlich ja die Farben seines Arbeitgebers Shell, und nur zufällig auch die spanischen Nationalfarben. Er hatte sich für das Halbfinale eigentlich die Deutschen als Sieger gewünscht, denn: „Die Deutschen geben eindeutig mehr mehr Trinkgeld als die Spanier!“ Dabei muss man allerdings fairerweise anmerken, dass auch deutlich mehr Deutsche das Turnier besucht haben, als Spanier.

Auch der Straßenhändler Sibu, der seit fast zwei Monaten Fahnen, Autospiegelüberzüge, Schals und sonstige Fanartikel der verschiedenen Teilnehmerländer im gehobenen Viertel Parkhurst verkauft, merkt, dass die Begeisterung der Menschen nachlässt. „Am Anfang gingen besonders südafrikanische und brasilianische Farben weg. Später haben die Leute dann auf Ghana umgeschwenkt. Portugal, England und Deutschland waren auch beliebt. In den letzten zwei Tagen habe ich fast nur noch holländische Fahnen und Schals verkauft – allerdings sehr wenig insgesamt.“ Er kommt eigentlich aus dem Township Alexandra. Dort ist Fußball nach wie vor Thema – wie eigentlich auch wenn keine WM ist. Dort freut man sich auf das Finale: „Meine Kumpels und ich, wir wollen, dass Spanien gewinnt. Die spielen ein bisschen afrikanisch, mit ihren kurzen Pässen. Die Holländer spielen doch langweilig!“ Für ihn war das Halbfinale zwischen Deutschland und Spanien das eigentliche Finale. „Deutschland gewinnt in zwei Jahren die Europameisterschaft. Die Spanier sind dann zu alt!“ Na, dann wollen wir mal hoffen, dass Sibu Recht hat.

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