„Südafrika vor Beginn der WM 2010“
Ich werde in einer wöchentlich erscheinenden lokalen Zeitung, dem Extra-Tip Mönchengladbach, einmal im Monat und später wöchentlich Beiträge über Südafrika veröffentlichen. Die nicht editierte Fassung werde ich jeweils hier auch auf meinen Blog setzen.
In 75 Tagen wird in Johannesburg das Eröffnungsspiel der Fußball- WM angepfiffen; Grund genug, den Blick auf das Kap der Guten Hoffnung zu richten.
Überdimensionale, farbenfrohe Poster und Bilder mit Fußbällen an jeder Ecke; die offiziellen Trikots der teilnehmenden Nationen und der offizielle Ball „Jabulani“ in den Einkaufszentren, die inoffiziellen Fälschungen dieser Trikots bei den Händlern auf den Märkten; Straßenhändler, die am Auto zu befestigende Flaggen als südafrikanische Version der Kassenschlager von vor 4 Jahren verkaufen; Zakumi, das offizielle Maskottchen der WM 2010, ein Leopard mit grünen Haaren, überlebensgroß an den Flughäfen und in allen Größen in den Souvenirläden; Sonderbeilagen in den Tages- und Wochenzeitungen; Sondersendungen im Fernsehen; freitags sind alle Südafrikaner aufgefordert, ein Fußballtrikot – bevorzugt eins der südafrikanischen Nationalmannschaft Bafana Bafana – zu tragen: Die erste afrikanische Fußball- WM ist in der selbsternannten „Regenbogennation“ in aller Munde. Die Südafrikaner sind voller Vorfreude und Enthusiasmus ob der Möglichkeit, der Welt zu zeigen, wie großartig ihr Land ist. Das gilt für alle Teile der Bevölkerung: für die traditionell fußballbegeisterten Schwarzen und Farbigen ohnehin; genauso allerdings auch für die eigentlich eher dem Rugby und Cricket zugetanen Weißen und Asiaten. Für die Menschen ist dieses Fußballturnier die einmalige Gelegenheit, die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf den unglaublich schönen und vielfältigen südlichsten Zipfel Afrikas zu ziehen und für vier Wochen dort festzuhalten.
In sportlicher Hinsicht sind die jämmerlichen Vorbereitungsresultate der südafrikanischen Nationalmannschaft wie zum Beispiel das mühevolle 1:1 gegen den Nachbarn und Fußballzwerg Namibia zwar nicht gerade dazu angetan, den Glauben an ein Weiterkommen der eigenen Mannschaft zu stärken. Allerdings wird die generelle Vorfreude im Land davon nur bedingt beeinflusst. Es wäre dem Land und dem Turnier zwar zu wünschen, dass die Gastgeber die Vorrunde überstehen. Sollte dies jedoch nicht geschehen, weil Frankreich, Uruguay und Mexiko sich als zu hohe Hürden erweisen, dann werden sich die Südafrikaner kurz schütteln und sodann die Vuvuzelas genannten Plastiktrompeten eben für die anderen afrikanischen Mannschaften oder für England, das wegen der ausgiebig übertragenen Premier League in Südafrika viele Fans hat, ertönen lassen. Hoffnung macht zum einen, dass die Vorbereitung bislang ohne den großen Star der Mannschaft, den für den FC Everton in England spielenden Steven Pienaar absolviert wurde. Zum anderen ist das Vertrauen in Bafana Bafana, das die Mannschaft sich durch die couragierten Auftritte gegen Europameister Spanien und Brasilien während des Confederations Cup im letzten Jahr erworben hat, noch nicht ganz aufgebraucht.
Natürlich gibt es auch kritische Stimmen: Seit der Vergabe vor sechs Jahren ist eine Menge Geld in den Bau, beziehungsweise den Ausbau der Stadien und die Verbesserung der Infrastruktur gesteckt worden. Investitionen, die zum weitaus größten Teil vom südafrikanischen Steuerzahler gestemmt wurden und in den nächsten Jahrzehnten weiter gestemmt werden müssen. Man kann dabei sicherlich darüber streiten, ob es beispielsweise nachhaltig ist, direkt neben dem bereits bestehenden Rugbystadion in Durban ein weiteres ebenso großes Fußballstadion zu bauen, anstatt die Mittel für den Häuserbau oder den ebenso notwendigen Ausbau von Wasserleitungen zu verwenden. Allerdings wurden über die südafrikanischen hinaus auch ausländische Finanzmittel verbaut und es entstanden dabei überwiegend südafrikanische Arbeitsplätze. Von den erweiterten Flughäfen in Kapstadt und Johannesburg, den zusätzlichen Busspuren auf zahlreichen Straßen, der neuen Bus- und Kleinbusflotte, sowie dem „Gautrain“, der Eisenbahntrasse zwischen Johannesburg und Pretoria, die ohne die WM nicht realisiert worden wäre, und die für eine spürbare Auflockerung des ständig zähflüssigen Verkehrs zwischen diesen beiden Metropolen sorgen soll, wird Südafrika über Jahre hinweg profitieren. Man kann daher ohne Übertreibung sagen, dass die bevorstehende Fußballweltmeisterschaft, das größte Sportereignis der Welt, bereits vor dem ersten Anpfiff einen Meilenstein in der Geschichte der noch jungen Republik darstellt und das ein Gewinner schon jetzt feststeht: Südafrika.
Darüber hinaus werden die traumhaften Strände, die majestätischen Berge und die endlosen Landschaften Südafrikas während der gesamten Zeit über die Bildschirme in Europa, Asien und Amerika flimmern – eine bessere Werbeplattform kann sich die südafrikanische Tourismusbranche nicht wünschen. Den südafrikanischen Optimismus werden weder die aus Europa angemeldeten Zweifel an den Fähigkeiten der Südafrikaner als Gastgeber und Organisatoren, noch das eng gesponnene Bedingungsnetz der FIFA, das man in Deutschland ja aus den eigenen Erfahrungen im Jahre 2006 zur Genüge kennt, trüben können. Hindernisse werden eben einfach mit afrikanischer Kreativität und viel Humor überwunden. Die Besucher und Zuschauer an den Bildschirmen dürfen sich jedenfalls auf eine farbenfrohe und ausgelassen fröhliche Weltmeisterschaft freuen.
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